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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kormoran


milvus-milvus
10.03.2010, 18:17
Am 31. März endet die Geltungsdauer der Kormoran-Verordnung in NRW. In dieser Verordnung von Mai 2006 ist geregelt, dass Kormorane abweichend vom Bundesnaturschutzgesetz zum Schutz der heimischen Tierwelt und zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden durch Abschuss getötet werden dürfen.

Das zuständige Umweltministerium ließ verlauten, dass sie die Kormoran-Verordnung und den begleitenden Erlass in NRW auslaufen werden lasse.

Hier die Anzahl der im Geltungszeitraum der Kormoran-Verordnung abgeschossenen Exemplare:

Saison Anzahl

2006/2007 2.350 2007/2008 3.267 2008/2009 4.239

Gesamtzahl 9.856

Bisher wurde die Umsetzung als so genanntes „sinnvolles Kormoranmanagement“ bezeichnet und nun ein solcher Sinneswandel!?

Erfreulich für die Kormorane!

Mehr zum Kormoran auf meiner HP:
http://www.milvus-milvus.de/pageID_9440169.html

milvus-milvus

cloudburst
23.03.2010, 23:25
Bei mir in Essen hat sich das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gegen den Versuch der Angler ausgesprochen, Kormorane mit Lasergewehren an der Brut zu hindern. Jetzt muß ich aber auch schreiben, dass sich die Kormorane im NSG Heisinger Aue, einem FFH-Gebiet während der Winterzeit sammeln. Die Zahl der Brutpaare (2009 = 4) ist also gering. Handelt es sich bei dem, was Du berichtet hast, um eine Aufweichung des seit dem 1.3.2010 gültigen Bundesnaturschutzgesetzes? Ich habe hier die Synopse...bin aber noch nicht fertig mit durchlesen.

milvus-milvus
26.03.2010, 19:32
Nein, im neuen BNatSchG (ab 01.03.2010) hat sich bezüglich der Kormorane nichts geändert. Nur im "Allgemeinen Artenschutz" gab es einige Neuerungen.
Siehe meinen Beitrag in "Gesetze, Richtlinien,.....".

In den meisten Ländern läuft die Bejagung über entsprechende Verordnungen und bei uns in Sachsen-Anhalt über Ausnahmegenehmigungen.

Gruß Milvus

mafi
05.07.2010, 16:35
Hallo milvus-milvus,

du fragst woher der Sinneswandel bezüglich der Kormoran-Verordnung in NRW kommt?

Warum hast Du nicht mal an der Quelle nachgefragt:

Zum Auslaufen der Kormoran-Verordnung erklärt der fischerpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Rainer Deppe: „Die am 2. Mai 2006 erlassene Kormoran-Verordnung des Landes NRW war von Anfang an bis zum 31.03.2010 befristet.
Von daher stellt das Auslaufen der Kormoran-Verordnung keinen neuen Sachverhalt dar. Sie ist weder auf Grund von Auswertungen noch auf Grund äußeren Drucks, z.B. des NABU erfolgt.“
Und weiter:
„Eine Kormoran-Verordnung ist zum Schutz der heimischen Tierwelt und zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden auch in Zukunft geboten.“

„Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich die nordrhein-westfälische Kormoran-Verordnung im Grundsatz bewährt hat. ...“

Link zu Homepage darf ich noch nicht posten .. google hilft ... ]


Quelle der Fehlinformation ist wohl der NABU. Die haben diese „urban legend“ in die Welt gesetzt als die Wahl in NRW noch nicht entschieden war. Die Kormoranpolitik in NRW ist ja bis heute nicht klar.


Zu den Infos auf Deiner Homepage -

„Der Kormoran muss als wesentliches Element unserer heimischen Fauna erhalten werden ..und darf nie wieder, wie bereits um die Jahrhundertwende geschehen … an den Rand seiner Ausrottung gebracht werden“

Der Kormoran mag für manche Vogelfreunde ein „wesentliches Element“ sein die Natur umfasst aber etwas mehr.

Hast Du Zahlen und Daten zur Bestand und zur Ausrottung der Kormorans in Sachsem-Anhalt vor 1900? Würde mich sehr interessieren.

Apropos Ausrottung der Kormorane - ist nicht Sachsen-Anhalt eines der Bundesländer mit einer noch anwachsenden Kormoranpopulation?


„Wie drastisch sich der Nahrungserwerb des Kormorans betriebswirtschaftlich auswirkt, kann ich jedoch nicht wirklich beurteilen.
Für entsprechende Teichanlagen usw. denke ich, sind schonende Vergrämungsmethoden in Ordnung.“

Dazu ein paar „Hausnummern“ aus Brandenburg: Verluste an Karpfen 90% bei K1 (=einsömmrig) ; 60% bei K2 und 30% bei K3
Zur akustischen Vergrämung habe ich zwei Ergebnisse in Erinnerung „vom Kormoran als Ort zum Sonnen genutzt“ oder „ vom Kormoran zugeschissen“.
Wenn die Teichwirtschaft mit Kormoran so einfach ist – Warum betreibt dann der NABU in seiner Teichwirtschaft „Blumberger Mühle“ nur eine Mast von angelieferten tschechischen Karpfen (und verschiebt so seine Vergrämungsabschüsse nach Tschechien?) und hat weder akustische Vergrämung noch Drähte (wieder abgebaut)? Ist dies nicht ökologisch bedenklicher Tiertransport der die Verbreitung von Seuchen begünstigend und ganz gewaltig heuchlerisch?


„Die Tötung von mehr als 15.000 Kormoranen und die Zerstörung von einem vielfachen an Eiern jedes Jahr...“

Wo soll das denn gewesen sein? Ein vielfaches von 15.000 wären wären doch (bei 3x) 45.000 Eier das wäre bei 24.000Brutpaaren in Deutschland jedes zweite Gelege? Als am Bodensee die Kormorane (Kormorankolonie von 70 bis 100 Brutpaaren ) aufgescheucht wurden um einen Teil der Eier auskühlen zu lassen war die Empörung europaweit zu hören. „Zerstörung der einzigen Kolonie am See“ und Massaker wurde geschrieben.
Als am Ende die Jungen gezählt wurden war von 20% reduzierten Bruterfolg die Rede. Wo also werden zehntausende Eier zerstört?

Noch so viele Berichte, Gutachten … können mich nicht davon überzeugen, dass der Kormoran nur eine Fischart an den Rand ihrer Existenz bringt.

Der Bericht zu Situation der Äsche in Thüringe ndann wohl auch nicht?

Nach dem sehr schnell einsetzenden Rückgang der Gewässerbelastung nach 1990 wurde bis zur Jahrtausendwende fast das gesamte historische Verbreitungsgebiet der Äsche in Thüringen wiederbesiedelt. Eine Vielzahl von Daten belegen jedoch, dass ab ca. 1996 die Bestandsdichten deutlich zurückgingen, zunächst nur begrenzt, später in ganz Thüringen.
Der Trend hält bis heute an. In den meisten Gewässern ist die Äschenpopulation an den Rand der Reproduktionsfähigkeit gedrängt bzw. sie muss sogar als zusammengebrochen betrachtet werden. In weiten Strecken Thüringer Fließgewässer ist die Populationsdichte der Äsche deutlich unter das Niveau von vor 1990 gesunken Mit dem Totalverlust der Art in vielen Gewässern aller drei Thüringer Flusseinzugsgebiete muss in nächster Zeit gerechnet werden. Dramatisch ist nicht nur die Ausdünnung der Individuenzahl der Teilpopulationen, sondern auch die Zerstörung der natürlichen Alterspyramide. Die Hauptursache für die negative Entwicklung liegt in der seit 1995 drastisch zunehmenden Frequentierung Thüringer Gewässer durch den Kormoran. Der daraus resultierende Fraßdruck auf die Äschenpopulation kann nicht mehr kompensiert werden.


Ich würde mich freuen was von Dir zu hören,

Tschüss mafi

Lutra
11.07.2010, 22:58
@mafi

Da Du Dich auszukennen scheinst in der Entwicklung der Fischbestände habe ich mal eine Frage.
Über die Gefährdung der Äschenbestände durch den Kormoran liest man allenthalben. Schon vor 30 Jahren, als der Kormoran in Deutschland noch eine absolute Seltenheit war, wurde in der Naturschutzausbildung erwähnt, dass besonders die Äschenregionen der Flüsse durch Verbau und Regulierungen als Biotope negativ beeinflußt seien.
Nun zur Frage:
Haben sich die Äschen auf natürliche Weise nach dem Sauberwerden der Flüsse in Thüringen wieder vermehrt? Wurde ein künstlicher Besatz durchgeführt? Wie sieht es mit der natürlichen Reproduktion aus?
Da ich eher in der Forellenregion wohne und auch nicht der Fischexperte bin, würde mich das mal interessieren. In unseren wieder sauberen Dorfbach wurden auch Forellen ausgesetzt. Ich bezweifle aber, dass sie noch ausreichend Laichgewässer finden, denn fast alle kleinen Nebenbäche, die sogar noch z.T. den Namen "Forellengraben" tragen, sind verrohrt oder kanalisiert.
Ist es nicht vielleicht etwas kurzgegriffen, einen Rückgang bestimmter Wildfischarten allein dem Kormoran zuzuschreiben und dabei die durch menschliche Eingriffe in die Lebensräume entstandenen Probleme auszublenden?
Das die Teichwirte Probleme mit dem Kormoran haben, ist unbestritten.

Viele Grüße aus der Lausitz

mafi
17.07.2010, 12:33
Hallo Lutra,

Das die Äschenregionen der Flüsse durch Verbau und Regulierungen als Biotope negativ beeinflusst sind ist klar.
Jedoch auch in natürlichen Flüssen in Nationalparks (Slowenien, Sava Bohinka Bericht der EU) gab es nach 3x Winterbesuch Verluste von über 98%. Dieser Verlust ist mit einen Fischsterben nach z.B. Chemieunfall vergleichbar.
Es gab aber auch in Deutschland Flüsse /-abschnitte mir selbsterhaltenden Äschenbeständen die (auch bei Entnahme durch Angler) stabil blieben. Es gibt sogar durch menschliche Eingriffe erweiterte Lebensräume, so wurde durch Tiefenwasserablass (ganzjährig kaltes Wasser) an Stauseen die Äschenregion weiter nach „unten“ verschoben.
Was vor 30 Jahren aktuell war kann sich aber bis heute geändert haben – oder hat sich geändert wie in Thüringen. Kläranlagen wurden gebaut oder verbessert, Gewässer renaturiert, Wehre rückgebaut oder durchgängig gemacht. Die Nutzung der Wasserkraft bringt jedoch auch wieder Rückschläge, oder eben die Menge der Kormorane.
Zusammengefasst hat dies der Arbeitskreis genetische Ressourcen:
„Im vergangenen Jahrhundert lagen die Hauptgefährdungsursachen für viele Fischarten in den Binnengewässern vor allem in der Einleitung von Nähr- und Schadstoffen in die Gewässer sowie in der Veränderung der natürlichen Gewässermorphologie und der Abflussverhältnisse durch wasserbauliche Eingriffe. … Verstärkte Bemühungen zur Wasserreinhaltung und Renaturierung von Gewässern eröffneten in der jüngeren Vergangenheit verbesserte Perspektiven für die Stabilisierung solcher Bestände und die Wiederbesiedlung ehemaliger Lebensräume. Insbesondere lokale Populationen von Bachforellen, Äschen, Barben oder auch Quappen konnten sich dadurch wieder ausbreiten. In krassem Gegensatz zu dieser allgemeinen Entwicklung steht nach den inzwischen vorliegenden Untersuchungen außer Zweifel, dass die Fischfauna vor allem in kleineren Fließgewässern durch den Kormoran bestandsgefährdend reduziert werden kann. Wie die Erfahrungen zeigen, sind die Fische auch in naturbelassenen Gewässerstrecken mit dichtem Uferholz nicht vor dem Kormoranfraß geschützt. Gewässerstruktur, Wassertiefe oder Gewässerbreite sowie die Nähe zum Menschen haben in diesem Zusammenhang keine entscheidende Bedeutung.“
Zur Naturschutzausbildung: Eine Kommilitonin erzählte mir dass ihr bei einer solchen „Naturschutzausbildung“ erklärt wurde das seit der Anwesenheit der Kormorane doch die Weißfischbestände sogar zugenommen hätten. Dazu 2 -rhetorische- Fragen meinerseits:
A) Wie wird das begründet, bringt der Kormoran jetzt die Fische wie der Storch die Babys…?
B) Erklärt der NABU nicht ständig der Kormoran würde die Überbestände der Weißfische regulieren?


Zu Deinen Fragen – Zitate aus der Thüringer Studie:
Haben sich die Äschen auf natürliche Weise nach dem Sauberwerden der Flüsse in Thüringen wieder vermehrt?

Entsprechend der Verbreitungsentwicklung war auch bei der Höhe der Äschenbestände ab Anfang der 90er Jahre eine positive Entwicklung, in vielen Gewässern sogar eine sehr starke Bestandszunahme zu verzeichnen. Es handelte sich dabei um eine überwiegend eigenständige Entwicklung der autochthonen Bestände.


Wurde ein künstlicher Besatz durchgeführt? Wie sieht es mit der natürlichen Reproduktion aus?

Die durchgeführte Befragung (2005) von 83 Fischereivereinen ergab folgendes:
- Die Äsche kommt in 43,4 % der Pachtstrecken bzw. Gewässerabschnitte
schon immer vor.
- In 22,9 % wanderte die Art in den letzten 15 Jahren zu.
- In 30,1 % wurde die Äsche innerhalb der letzten 15 Jahre durch Besatz angesiedelt, wobei ein natürliches Zuwandern zur gleichen Zeit nicht auszuschließen ist.
- Für 3,6 % der Gewässerabschnitte liegen keine Angaben vor.

Ist es nicht vielleicht etwas kurzgegriffen, einen Rückgang bestimmter Wildfischarten allein dem Kormoran zuzuschreiben und dabei die durch menschliche Eingriffe in die Lebensräume entstandenen Probleme auszublenden?

Wo habe bitte ich das gesagt? Was bitte mal soll dieser Vorwurf?

Wenn nach winterlichem Kormoranbesuch zwischen 60 und 90% der z.B. Äschen fehlen braucht der verbleibende Fischbestand Jahre um sich zu erholen – falls er sich überhaupt erholenkann. Wenn die Kormorane die nächsten Jahre wieder kommen sieht das Resultat dann so aus:

Saale bei Rudolstadt/Schwarza: Fischbestanduntersuchungen zeigten im Zeitraum 1994-1997 gute Äschenbestände (50kg/ha). Seit einigen Jahren befindet sich in unmittelbarer Nähe ein größerer Kormoranschlafplatz. Im Jahr 2002 wurden bei Untersuchungen von SCHMALZ & SCHMALZ (2003) nur noch Einzelexemplare, im darauf folgenden Jahr keine einzige Äsche mehr nachgewiesen.

Im Bericht (steht mehrfach im Netz, einfach Äsche + Thüringen googeln) sind etliche Bespiele aufgeführt. Auch anderen Ursachen für den Rückgang wird dort nachgegangen.

„etwas kurzgegriffen“ finde ich es wenn sich der NABU erklärt:
"Es kann nicht sein, dass der Kormoran als Sündenbock für einen jahrzehntelang fehlgeleiteten Gewässerschutz herhalten muss", so Alexander Heyd vom NABU Bonn…“ ohne irgend eine Studie oder auch nur Abschätzung über die verschiedenen Faktoren nennen zu können.

Ein Zitat von jemand der sich mit Gewässern beschäftigt:
Frasdorf/Wildenwart - "Die vielen Millionen Euro Steuergelder, die in den vergangenen Jahren in die Renaturierung der Fließgewässer investiert worden sind, werden zur Farce, wenn sich durch den Kormoran in den heimischen Gewässern keine Fische und damit kein Leben mehr findet." Das betonte jetzt Fischereioberrat Dr. Ulrich Wunner von der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern.

Zn den Forellen im Dorfbach: In den Niederungsbächen gibt es meist nicht den typischen harten Bodengrund wie in den Gebirgsbächen. Die Forellen brauchen nur zum Laichen einen Abschnitt mit lockerem Kies, da reicht mitunter schon ein Abschnitt von einigen Metern freigespülten Kies als Laichgrund.


Das die Teichwirte Probleme mit dem Kormoran haben, ist unbestritten.

Wenn ich die NABU – Artikel lese ist das anders: Überspannen mit Drähten in 7,5m Abstand etwas akustische, „nicht letale“ Vergrämung und die Teichwirtschaft ist problemlos möglich. Diese Botschaft wird in der Öffentlichkeit verbreitet, auch von milvus-milvus der die Diskussion hier begonnen hat



mafi

Lutra
18.07.2010, 10:34
Hallo mafi!

Vielen Dank für die Antwort.
Mal einiges zur Erläuterung:
Die "Naturschutzausbildung" fand und findet im Rahmen der Fortbildung der ehrenamtlichen Naturschutzhelfer, jetzt Naturschutzdienst, statt und hat nichts mit irgentwelchen Vereinen oder Verbänden zu tun.
Meine Fragen und Anmerkungen beziehen sich auf eigene Beobachtungen hinsichtlich des Ausbauzustandes der Flüsse in meiner Umgebung und es stimmt, nicht auf irgend welche Studien. Mit "Renaturierung" ist es hier nicht weit her, eher erfolgt schleichend ein immer weiterer Verbau. Meine Bemerkungen im Bezug auf den Zusammenhang vom Rückgang von Wildfischen und Kormoran waren nicht speziell auf Deine Ausführungen bezogen.
Das Zitat vom Fischereioberrat Dr. Wunner finde ich interessant, "durch den Kormoran in den heimischen Gewässern keine Fische und damit kein Leben mehr findet". Ist das biologisch überhaupt möglich?
Teiche haben wir in der Umgebung reichlich. Daher kenne ich auch die Probleme der Teichwirte mit dem Kormoran. Hier sind auch Vergrämungsabschüsse erlaubt. Allerdings bringen diese laut Aussage der Teichwirte nicht viel. Die Kormorane werden nur von einem Teich auf den nächsten getrieben. Außerdem kann damit der winterliche Zuzug von teils hunderte zählenden Schwärmen nicht verhindert werden.

mafi
24.07.2010, 21:22
Hallo Lutra,

Bei der "turschutzausbildung" vermute ich durchaus Überschneidungen mit den Verbänden, denn den Verband der chemischen Industrie wird man ja dafür kaum heranziehen.
Das Zitat „...das seit der Anwesenheit der Kormorane doch die Weißfischbestände sogar zugenommen hätten … “ stammt aus einer Stellungnahme eines der große Verbände und kommt regelmäßig wieder zur Sprache ohne das die „Vogelfreunde“ verstehen was genau passiert. Ein Ansteigen der Weißfischbestände (das sind die „Massenfische“) heißt entweder die Nahrungsbasis hat sich verbessert oder Fressfeinde sind ausgefallen. Wenn Hechte und Barsche fehlen können sich die Weißfische stärker vermehren.

Zum Ausbauzustandes der Flüsse – stimmt die großen sind zu Schiffsautobahnen verkommen. Was ich meinte ist die Sauberkeit und Durchgängigkeit der Flüsse die sich gebessert hat. Bei uns wird einiges unternommen um Altarme wieder anzubinden, aber es droht auch der Saale-Ausbau.

Das Zitat vom Fischereioberrat Dr. Wunner war zwar mehr emotional gemeint (etwas wie der „stille Frühling“ - ein Wald ohne Vögel wäre ja auch nicht tot) aber etwas wahres ist doch dran. Es gibt Untersuchungen von Flüssen / Bächen wo auf einigen Abschnitten keine Fische mehr gefunden wurden. Ich habe von in einer Untersuchung gelesen bei der das Elektrofischen abgebrochen wurde weil man glaubte das Gerät wäre defekt – auf die Idee das keine Fische mehr drin sind kam keiner.
Das dann in der Folge noch weitere Arten indirekt leiden die auf die Fische angewiesen sind ist ein weiteres Problem. Im bayrischen gab es einen Fall wo die einheimische Formellenpopulation dezimiert wurde und dadurch auch die Flußperlmuscheln bedroht sind.

Zu Teichwirte und Vergrämungsabschüsse – die sind wenig wirksam aber Alternativen sind rar.
Der NABU fordert der Kormoran müsse sich ungehindert vermehren können, bekommt das Problem in seiner Karpfenzucht aber auch nicht gelöst.

Ist die pure Verzweiflung denn ohne Vergrämung hat sich die Teichwirtschaft erledigt.
Es gibt Ansätze aber ob die sich großflächig umsetzen lassen?

Der >Kormoranbericht Mecklenburg-Vorpommern 2009< des Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV dazu:
„An den Fischteichen der Lewitz wurde 2009 erstmalig die Auflösung von
Schlafplätzen durch gezielte Abschüsse genehmigt. Diese Maßnahme erwies sich als
erfolgreich. Das Fehlen von Schlafplätzen bewirkte eine Verminderung der Zahl der
Kormorane, die zur Nahrungssuche auf den Fischteichen angetroffen wurden. Dadurch
verminderten sich sowohl die fischereiwirtschaftlichen Verluste als auch die Zahl der
insgesamt abgeschossenen Kormorane, welche im Vorjahr noch bei 609 Tieren gelegen hatte.“


mafi