magda
03.11.2008, 11:24
«Naturschutz und Profit»
Retten, was Geld bringt
Von Bettina Dyttrich
«Wälder sind einzigartige Klimaschützer», schreibt der Worldwide Fund For
Nature (WWF) zu seiner aktuellen Kampagne. Wer dem WWF jetzt Geld spende,
könne dafür sorgen, dass schnell noch mehr Schutzgebiete eingerichtet werden
könnten.
Geld und Schutzgebiete - wird damit die Welt gerettet? Der deutsche
Journalist und Landwirt Klaus Pedersen glaubt nicht daran. Pedersen gehört
nicht zu jenen Unermüdlichen, die immer noch bestreiten, dass es überhaupt
Umweltprobleme gibt. Was er hinterfragt, sind die gängigen Rezepte, die
diese Probleme lösen sollen: «Die Erhaltung unserer natürlichen Umwelt kann
nicht damit erreicht werden, dass man naturzerstörerische gesellschaftliche
Verhältnisse akzeptiert und parallel dazu versucht, diese Naturzerstörung
durch Ausgleichsflächen zu kompensieren», schreibt er im Vorwort seines
Buches «Naturschutz und Profit».
Pedersen kritisiert den Kern des klassischen Naturschutzgedankens: dass es
darum gehe, «unberührte» Gebiete zu schützen und dass Menschen in diesen
Gebieten nichts zu suchen hätten. Er zeigt, dass diese Idee schon von Anfang
an nicht aufging: Die ersten Nationalparks, Yosemite und Yellowstone in den
USA, wurden erst menschenleer durch die Ausrottung und Umsiedlung ihrer
ursprünglichen BewohnerInnen. Vertreibungen im Namen des Naturschutzes gibt
es heute noch: vor allem in afrikanischen Staaten, aber auch im
mexikanischen Chiapas (siehe WOZ Nr. 43/08).
Die Vorstellung, dass Naturschutz per se etwas Gutes ist, erweist sich beim
Lesen von Pedersens Buch bald als naiv.* Häufig sind auch grosse Firmen an
Schutzgebieten beteiligt - nicht aus Wohltätigkeit, sondern weil sie an den
bedrohten Pflanzen und Tieren ein kommerzielles Interesse haben. Eine
haarsträubende Geschichte dazu spielte sich ebenfalls in Chiapas ab: Dort
versuchten WissenschaftlerInnen der Universität von Georgia (USA) zusammen
mit einer mexikanischen Universität und einer walisischen Biotechfirma, von
HeilerInnen Wissen über Medizinalpflanzen und traditionelle Heilmethoden zu
erfahren - ohne die lokalen Organisationen zu fragen und ohne offenzulegen,
was sie damit vorhatten. Die Einheimischen verhinderten das Projekt
schliesslich, indem sie jede Auskunft verweigerten.
Pedersens Kritik an dieser Art von Umweltschutz ist bitter nötig. Allerdings
richtet sich sein Buch vor allem an bereits überzeugte linke LeserInnen: Er
prangert vieles an, etwa den Emissionshandel, ohne genau zu erklären, warum
das Kritisierte eigentlich problematisch ist. Schade ist auch, dass kaum
Menschen direkt zu Wort kommen. Der Autor reist zu mexikanischen
AktivistInnen oder kritisiert deutsche Ärzte, die in armen Ländern nach
Heilpflanzen suchen - warum interviewt er sie nicht? Doch das alles ändert
nichts daran, dass Pedersens Anliegen unbedingt breitere Beachtung verdient.
«Naturschutz und Profit. Menschen zwischen Vertreibung und Naturzerstörung»
AutorIn: Pedersen, Klaus
Verlag: Unrast Verlag. Müns*ter 2008
Seiten, Preis: 138 Seiten. Fr. 25.90
http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2008/nr44/Wissen/17061.html
Retten, was Geld bringt
Von Bettina Dyttrich
«Wälder sind einzigartige Klimaschützer», schreibt der Worldwide Fund For
Nature (WWF) zu seiner aktuellen Kampagne. Wer dem WWF jetzt Geld spende,
könne dafür sorgen, dass schnell noch mehr Schutzgebiete eingerichtet werden
könnten.
Geld und Schutzgebiete - wird damit die Welt gerettet? Der deutsche
Journalist und Landwirt Klaus Pedersen glaubt nicht daran. Pedersen gehört
nicht zu jenen Unermüdlichen, die immer noch bestreiten, dass es überhaupt
Umweltprobleme gibt. Was er hinterfragt, sind die gängigen Rezepte, die
diese Probleme lösen sollen: «Die Erhaltung unserer natürlichen Umwelt kann
nicht damit erreicht werden, dass man naturzerstörerische gesellschaftliche
Verhältnisse akzeptiert und parallel dazu versucht, diese Naturzerstörung
durch Ausgleichsflächen zu kompensieren», schreibt er im Vorwort seines
Buches «Naturschutz und Profit».
Pedersen kritisiert den Kern des klassischen Naturschutzgedankens: dass es
darum gehe, «unberührte» Gebiete zu schützen und dass Menschen in diesen
Gebieten nichts zu suchen hätten. Er zeigt, dass diese Idee schon von Anfang
an nicht aufging: Die ersten Nationalparks, Yosemite und Yellowstone in den
USA, wurden erst menschenleer durch die Ausrottung und Umsiedlung ihrer
ursprünglichen BewohnerInnen. Vertreibungen im Namen des Naturschutzes gibt
es heute noch: vor allem in afrikanischen Staaten, aber auch im
mexikanischen Chiapas (siehe WOZ Nr. 43/08).
Die Vorstellung, dass Naturschutz per se etwas Gutes ist, erweist sich beim
Lesen von Pedersens Buch bald als naiv.* Häufig sind auch grosse Firmen an
Schutzgebieten beteiligt - nicht aus Wohltätigkeit, sondern weil sie an den
bedrohten Pflanzen und Tieren ein kommerzielles Interesse haben. Eine
haarsträubende Geschichte dazu spielte sich ebenfalls in Chiapas ab: Dort
versuchten WissenschaftlerInnen der Universität von Georgia (USA) zusammen
mit einer mexikanischen Universität und einer walisischen Biotechfirma, von
HeilerInnen Wissen über Medizinalpflanzen und traditionelle Heilmethoden zu
erfahren - ohne die lokalen Organisationen zu fragen und ohne offenzulegen,
was sie damit vorhatten. Die Einheimischen verhinderten das Projekt
schliesslich, indem sie jede Auskunft verweigerten.
Pedersens Kritik an dieser Art von Umweltschutz ist bitter nötig. Allerdings
richtet sich sein Buch vor allem an bereits überzeugte linke LeserInnen: Er
prangert vieles an, etwa den Emissionshandel, ohne genau zu erklären, warum
das Kritisierte eigentlich problematisch ist. Schade ist auch, dass kaum
Menschen direkt zu Wort kommen. Der Autor reist zu mexikanischen
AktivistInnen oder kritisiert deutsche Ärzte, die in armen Ländern nach
Heilpflanzen suchen - warum interviewt er sie nicht? Doch das alles ändert
nichts daran, dass Pedersens Anliegen unbedingt breitere Beachtung verdient.
«Naturschutz und Profit. Menschen zwischen Vertreibung und Naturzerstörung»
AutorIn: Pedersen, Klaus
Verlag: Unrast Verlag. Müns*ter 2008
Seiten, Preis: 138 Seiten. Fr. 25.90
http://www.woz.ch/artikel/inhalt/2008/nr44/Wissen/17061.html