Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wiesenpflege
Hallo!
Heute habe ich meine Wiesenpflege für dieses Jahr abgeschlossen, das heißt, das letzte Mähgut weggeräumt.
Die 0,14ha große (oder kleine) Orchideenwiese kann nun in den Winter gehen. Außer dem Breiblättrigem Knabenkraut wachsen dort u.A. noch Fieberklee, Sumpfblutauge, Sumpfdotterblume. Den Fieberkleestandort mähe ich nur im Abstand von mehreren Jahren. Ich habe den Eindruck, das bekommt ihm besser als jährliche Mahd.
Der Knabenkrautbestand hat sich seit 1988 mit 5 Blüten, wo ich mit dem Mähen begonnen habe, bis zum Höchststand 2002 mit 560 Blüten entwickelt, mit Schwankungen durch harte Winter mit Vereisung der Fläche. Dieses Jahr waren es nur 195 Blüten nach einem starken Rückgang nach dem Winter 05/06.
Die Wiese gehört mir nicht. Die Pflege erfolgt in Absprache mit dem Eigentümer, der auch selbst daran interessiert ist und mit dem ich mich oft unterhalte. Ich mach es mit der Sense, dann wirds mal gewendet, das es etwas abtrocknet und dann an den Rand neben ein Espengehölz geräumt, wo dann ein ansehnlicher Haufen entsteht.
Zweimal haben wir die Pflege mit einer kirchlichen Umweltgruppe gemacht, sonst immer ich allein.
Wer hat ähnliche Erfahrungen?
Viele Grüße von Lutra
Jürgen M.
21.09.2008, 21:19
Hallo Lutra
Das klingt ja wirklich beneidenswert - solche Pflanzenvorkommen und dazu noch die günstige Konstellation (Pflege langjährig in einer Hand, mit weitgehender Handlungsfreiheit). Es wird nicht viele geben, die unter vergleichbaren Umständen arbeiten und entsprechend mitdiskutieren können. Meine eigene Erfahrung mit Naßwiesen beschränkt sich leider darauf, ihr rasantes Verschwinden in den letzten Jahrzehnten miterlebt zu haben. Ich schreibe hier auch vorwiegend deshalb, weil es mir mißfällt, wenn solche interessanten Themen lange unbeantwortet herumstehen.
Einschlägige Kompetenz und erfahrene Kräfte besitzt nach meiner Kenntnis auf jeden Fall die Grüne Liga Osterzgebirge e.V. (Vielleicht gehörst du ja selbst dazu, obwohl ich jemanden namens "Lutra" eher in den Teichgebieten vermuten würde. Kannst ja mal eine Andeutung machen.)
Von mir also nur ein paar allgemeine Anregungen:
Man sollte seine Ergebnisse, Beobachtungen und Erfahrungen immer auch dokumentieren, und zwar nicht zu knapp. Das wird selbst bei der organisierten Schutzgebietsbetreuung oft und gern vernachlässigt. Sobald man aber mit Behörden umgehen muß, oder seine Arbeit sonst irgendwie verteidigen, rechtfertigen oder vielleicht nur ein bißchen rühmen möchte, sind seriöse und solide Daten gefragt. Letztlich sollte man auch an die Zukunft und eventuelle Nachfolger denken.
Was Fieberklee und Sumpfblutauge betrifft: die kommen ja von der noch nasseren Lage her und gedeihen in der Wiese wahrscheinlich eher trotz als wegen der Mahd. Ich würde mich überhaupt nicht scheuen, solche Vorkommen beim Mähen, wenn möglich, generell zu verschonen. Das verleiht der Pflege zwar etwas Gekünsteltes, man hört auch gelegentlich schon das Wort "Biotopbastelei". Angesichts der Bestands- und Gefährdungssituation halte ich es aber für eine unbedingt akzeptable Notwehrmaßnahme.
Schließlich sollte man auch die vor wenigen Jahren noch "gewöhnlichen" Arten des Standorts nicht aus dem Blick verlieren. Ich sehe in letzter Zeit z.B. Kohldistel und Kuckuckslichtnelke drastisch zurückgehen.
Was nun mich interessieren würde: anscheinend gibt es bei dir, wie vielerorts, auch keine Verwendung für das Schnittgut. Welche Erfahrungen hast du mit der Ablagerung? Hält die Zersetzung mit dem Neuanfall Schritt? In welcher Höhen-/Klimalage befindet sich die Wiese? Hat sie einen Schutzstatus? Wieviel Zeit brauchst du für die Mahd? (Ich haue selbst noch kleine Flächen mit der Sense, es ist aber eher mühselig, weil mir darin die wirkliche Routine fehlt.)
MfG Jürgen M.
Hallo Jürgen!
Zuerst mal zu Deinen Fragen:
Das Schnittgut bildet schon einen Haufen, der geht aber über das Jahr ganz schön zusammen, so dass er insgesamt nicht an Größe gewachsen ist.
Die Wiese befindet sich im Hügelland in einer Höhenlage von etwa 200m/NN, Niederschlag etwa 800 mm, Durchschnittstemperatur 8,5 °C.
Der Schutzstatus ist gegeben nach §26 Sächs. NatSchG, "Schutz bestimmter Biotope", (1)1. ...seggen- und binsenreiche Naßwiesen...
Wieviel Zeit ich zu Mähen brauche? Sagen wir mal, ich mach es gerne, da schau ich nicht auf die Uhr, aber mit Wegräumen werdens schon so 15 Stunden sein.
Die Bergwiesenpflege im Osterzgebirge ist mir bekannt, ich hab aber selbst nichts damit zu tun. Den Namen "Lutra" habe ich gewählt, weil es bei uns hier in der Region noch eine stabile Otterpopulation gibt, der Otter sozusagen hier das Symboltier des Naturschutzes ist. Mit den Teichgebieten liegst du richtig, unweit nord-östlich meines Heimatortes beginnt das Biosphärenreservat "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft".
Viele Grüße von Lutra
Jürgen M.
02.10.2008, 19:55
... Grüne Liga Osterzgebirge berichtet dieser Tage, daß sie immer noch nicht fertig mit Wiesenmähen sind. Grund: Fördermittelprobleme.
Wohl dem, der seine Biotope völlig unabhängig von diesem ganzen Fördermittel-Affentheater pflegen kann, einfach nur den Erfordernissen der Biozönose gemäß. Wie siehts denn damit auf "deiner" Fläche aus, Lutra?
MfG Jürgen M.
Für die beschriebene Fläche hab ich noch nie Fördermittel beantragt.
Bei einer anderen Feuchtwiese habe ich es jahrelang gemacht im Auftrage des Eigentümers (Kirchgemeinde), da bei der Pflege oder besser gesagt zustandserhaltender Nutzung noch einige Pächter beteiligt waren. Die Untere Naturschutzbehörde hat mir zu dieser Verfahrensweise geraten. Im Laufe der Jahre wurden die Antragsformulare allerdings immer umfangreicher und komplizierter. Dann kamen nach Jahren noch Schreiben von der Bewilligungsbehörde (Regierungspräsidium), weil die Verwendungsnachweise nicht korrekt waren. Manchmal wurden Förderbescheide für drei Jahre bewilligt, meistens jedoch nur für ein Jahr, so dass die Schreiberei jedes Jahr neu losging.
Als dann die bisherige Naturschutzrichtlinie auslief und durch die Richtlinie "Natürliches Erbe" abgelöst wurde, hab ich die Beantragerei aufgegeben, zumal es lange Zeit noch gar keine Antragsformulare gab, weil die Richtlinie noch nicht bestätigt war wegen Abstimmungsprozeduren mit der EU oder so was Ähnlichem.
Das wird wohl auch zu den Problemen im Osterzgebirge geführt haben.
Wie gesagt, ich hab mir das vom Halse geschafft, ich machs sowieso nicht für Geld. Ist nur schade drum, ich hab die erhaltenen Fördermittel immer unserem regionalen Naturschutzverein gespendet.
Mit "meinen" Wiesen bin ich soweit fertig. Eine kleine Ecke hab ich absichtlich noch stehn lassen, die kommt demnächst noch unter die Sense.
Viele Grüße
Andreas (Lutra)
So, das ist mein sechster Beitrag, jetzt kann ich Euch auch mal paar Bilder zeigen.
http://i192.photobucket.com/albums/z211/andreas-ol/107_0701BreitblKnabenkraut.jpg
http://i192.photobucket.com/albums/z211/andreas-ol/106_0693BreitblKnabenkraut.jpg
http://i192.photobucket.com/albums/z211/andreas-ol/106_0691BreitblKnabenkraut.jpg
Was zum Beispiel - Wiesenpflege mit Auerochsen ?
Die Beweidung ist die ursprünglichste Nutzung von Grünland. Reine Mähwiesen wurden erst relativ spät in der Geschichte angelegt. Ich hab mal einen Vortrag eines Botanik-Spezialisten gehört, wo es um Wiesenpflege unter Naturschutzgesichtspunkten ging. Er führte die Entwicklung einer reichhaltigen Grünlandflora auf die früher übliche Driftbeweidung zurück. Durch das lockere Überweiden mit verschiedenen Tierarten entwickelten sich steppenartige Verhältnisse. Konkurrenzschwache Arten wurden begünstigt.
Ein heutiges Simulieren dieser Verhältnisse durch Pflegemaßnahmen ist recht schwierig bis kaum möglich. Z.B. der Nährstoffeintrag von außen läßt sich kaum beeinflussen. Die Mahd ist dafür kein Ersatz, weil sie nicht selektiert, bei Überweidung bleiben giftige und nicht schmackhafte Pflanzen stehen, die oft in der heutigen Anschauung die "wertvollen" sind. Die Beweidung erfolgt heute meistens in Koppelhaltung. Wie sich diese auswirkt ist wohl von Fall zu Fall ganz verschieden.
Wiesenpflege mit Auerochsen (Heckrindern) und auch anderen Rinderrassen ist durchaus möglich, warum nicht? Es wird sich nach dem Schutzziel richten. Ich kenne die Beweidung mit Fjellrindern zur Offenhaltung von Wacholderheide.
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