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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Benjeshecke


planie
10.03.2008, 14:50
Hallo, gibt es jemanden von euch, der die Anlage von Benjeshecken betreut und vielleicht schon Ergebnisse aus Erfolgskontrollen hat?

Macht es Sinn, eine solche Hecke als Umfriedung einer Weide anzulegen (in Verbindung mit anderer Zäunung)?

megasika
17.04.2008, 21:22
Hallo planie,
der Begriff ist mir zwar völlig neu, aber ich kann Dir nur mal empfehlen, was Du vielleicht sowieso schon kennst, nämlich den Artikel zu dem Thema Benjeshecke in Wikipedia - scheint mir recht objektiv gechrieben zu sein. Eigene Erfahrungen habe ich zwar im Ansammeln von Heckenschnitt direkt unterhalb von den beschnittenen Heckenpflanzen, das ist aber absolut unvergleichbar, nehme ich an - im Gegenteil, damit will ich nur erreichen, dass eine Mulchschicht entsteht.

Lutra
26.08.2008, 20:22
Hallo, hab das Forum jetzt erst entdeckt, deshalb die späte Antwort.

Wir haben von 1991 bis 1994 eine ca. 500m lange Benjeshecke "gebaut". Wir haben das so gemacht, dass im zeitigen Frühjahr ein paar mal sonnabendnachmittags "Annahme" war. Da haben die Leute aus dem Dorf ihren Baumschnitt, Äste, Heckenschnitt usw. gebracht und mit aufgeschichtet. Jeder bekam ein Merkblatt zur Benjeshecke und so waren auch alle gleich informiert, was das ist und wie es funktioniert.
Zum Erfolg:
Als erstes besiedeln Neuntöter das Geäst, soviel es an Revieren hergibt. Es ist ja der Sinn der Sache, dass Vögel mit ihrem Kot Gehölzsamen in die Hecke eintragen. Der Erfolg war auch im zweiten Jahr sichtbar. Die Vögel können allerdings nur das aussähen, was auch in der Nähe wächst, und so kam bei uns erst mal Holunder. Wir gingen deshalb in den folgenden Jahren zur Initialpflanzung über, aus Samen gezogene Schlehe, Weißdorn, Hasel, Heckenrose, Wildbirne gepflanzt und dann Äste drumherum geschichtet. Die Sträucher wuchsen durch den Schutz der Benjeshecke ausgesprochen gut.
Jetzt ist die Hecke geschlossen und schon einige Meter hoch. Die Sträucher fruchten reichlich. Besonders Hasel geht in der Umgebung an verschiedenen Stellen auf, ausgesät vom Eichelhäher, der immer fleißig erntet.
Unsere Hecke begrenzt eine Weide (erst Schafe, jetzt Rinder). Eine Zäunung ist angebracht. Die aufgeschichteten Äste brechen stellenweise recht schnell zusammen und die Schafe suchen sich dann ihre Durchgänge.

Lutra
02.10.2008, 21:33
Benjeshecke im Frühjahr (Schlehenblüte)

http://i192.photobucket.com/albums/z211/andreas-ol/Hecke1.jpg

Jürgen M.
03.10.2008, 15:50
Das sieht wirklich gut aus! Voraussetzung ist vor allem, daß man die Fläche entsprechend großzügig bemessen zur Verfügung hat, sonst braucht man gar nicht erst anzufangen. Eine gewisse Mindestdichte und -ausdehnung muß schon sein, damit sich die Anlage nicht zur ökologischen Falle entwickelt. Sprich: die Vögel nehmen zwar auch suboptimale Strukturen zur Brut an, die aber aussichtslos bleiben muß, z.B. weil Prädatoren zu leichten Zugang haben. (Man kennt ja das leidige Elsternproblem. Dabei ist doch nicht die Elster gefräßig und böse, sondern das Vorgärtchen als Bruthabitat ist einfach ungeeignet.)
Einen gewissen dauerhaften Pflegebedarf muß man ebenfalls einkalkulieren. Schlehe z.B. breitet sich lebhaft aus, was man sicher nur in den seltensten Fällen ungehindert zulassen kann. Günstig ist auch tolerante Nachbarschaft, die einem nicht jedes Blatt nachträgt und unkontrolliert wieder in die Hecke schmeißt ("Das Zeug kommt ja schließlich von euch!"), und ihre eigenen ungeliebten Gartenabfälle gleich noch dazu ("Das verrottet doch und ist guter Dünger!").

Ich habe übrigens Anfang der 1990er Jahre einen Vortrag von Benjes selber gehört, oder vielmehr seinem Bruder. Denn es war wohl so, daß der eine das Konzept entwickelt hat, und der andere, der besser quatschen konnte, damit durch die Lande getingelt ist, um das dazugehörige Buch zu verkaufen.
Eine seiner Kernaussagen war die abgrundtiefe Verachtung gegenüber der angepflanzten "Behördenhecke". Nicht ganz unberechtigt, denn nach meiner Beobachtung wird der öffentlichen Hand bei solchen Gelegenheiten gern minderwertige Ware angedreht, die dann ewiglange vor sich hin mickert. Kompetente Überwachung, Nachkontrolle oder gar Verfolgung von Gewährleistungsansprüchen ist bei den chronisch überlasteten und knapp gehaltenen Behörden ja kaum zu befürchten.
Ein tatkräftiger und halbwegs erfahrener Praktiker sollte eine Heckenstruktur freilich auch mittels Pflanzung und ohne die Initialisierung nach System Benjes hinkriegen. Ungeeignetes Schnittgut, das zu schnell und dicht zusammensackt, kann den Entwicklungsprozeß unter Umständen sogar behindern. Schlimmstenfalls können sich unerwünschte Arten, z.B. Staudenknöterich, unbemerkt und unzugänglich im Schutz des Geästes festsetzen.

MfG Jürgen M.

Lutra
03.10.2008, 22:03
Ich habe schon vor der Benjesheckenaktion verschiedene Wildsträucher z.B. an Waldrändern gepflanzt. Die brauchten allerdings lange, ehe sie aus dem "Knick" kamen (Wildverbiß, Überwuchern durch "Unkraut"). Daher war ich positiv überrascht, wie gut das in der Benjeshecke funktionierte. Das sind nur so meine persönlichen Erfahrungen, wo anders kanns ganz anders aussehen.
Mit der intoleranten Nachbarschaft kann man schon durch einen Baum Probleme bekommen, da brauchts nicht erst einer Hecke.
Ich hab auch mal einen Vortrag von Benjes gehört, aber erst nach unserem Heckenbau. Er kam mir sehr engagiert vor, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass es ihm um den Verkauf seines Buches ging, zumal man davon nicht reich werden kann bei dem speziellen Thema.

Jürgen M.
04.10.2008, 11:36
Interessant. Alle Ziele des Benjes-Konzeptes (Schutzfunktion, Habitatstruktur, Zoochorie) sind bei dir also erreicht worden, und zudem die von Benjes betonte Voraussetzung bestätigt, daß es auf die Art der Ausführung ankommt.
In meinem Fallbeispiel war es nämlich eine von fremder Hand angelegte eher regellose Anhäufung von Gehölzschnitt, bei der eben die oben geschilderten Schwierigkeiten auftraten.
Ich wollte übrigens Herrn Benjes nichts unterstellen, liegt auch schon 17 Jahre zurück. Aber seine lebhafte Polemik gegen die "Behördenhecke" ist mir noch gut im Ohr, und mit "quatschen" meinte ich die wirklich amüsante Vehemenz seines Vortrags.

MfG Jürgen M.

Lutra
04.10.2008, 23:01
Ja, das hab ich auch schon gesehen, eine dichte Anhäufung von feinem Reißig, das kann es natürlich nicht sein.
Wir haben vorrangig stärkere Äste verbaut, und zwar so, dass viel Luft dazwischen blieb. Wenn mal jemand feineres Zeug brachte, kam es auf einen Haufen mit zwischenrein, Igel und andere Kleintiere wollen ja auch einen Unterschlupf haben.
Wie gesagt, besonders überraschte mich das zügige und kräftige Wachstum der eingepflanzten Gehölze.